23. Juli 2016

 

Die Welt

 

Mama was erwartet mich da draußen in der weiten Welt? 

 

Wenn mir mein Sohn jetzt diese Frage stellen würde und ich ehrlich darauf Antworten müsste, dann wäre meine Antwort wohl zu verwirrend und beängstigend für ihn, denn schließlich ist das Leben spannend als auch eine wunderbare Reise. Doch wenn ich als Mutter mir diese Welt ansehe in der mein Kind nun aufwächst, bin ich erschüttert, traurig, wütend, verängstigt und ein klein wenig paranoid. Es hat immer schon viele Gefahren gegeben und Eltern haben wohl egal zu welchem Jahrzehnt gewisse Ängste gehabt. Doch es scheint mir, als wäre es heutzutage schwieriger den je. Aber zurück zur Frage und zu meiner ehrlichen Antwort.

 

  • Wir befinden uns in einer Welt wo Prestige, Macht, Aussehen, Attitude, Markenklamotten und das hineingeboren werden in die richtige Gesellschaftsschicht wichtiger geworden sind. Denn Storys wie die von Paul Potts sind eher die Ausnahme.
  • In einer Welt in der Terroranschläge nichts seltenes mehr sind und unschuldige fast wie in einem Krieg umgebracht werden.
  • Einer Welt in der Follower, Likes, das Zeigen der perfekten eigenen Welt wichtiger ist, als persönliche Kontakte zu schließen und genauer hinzusehen.
  • Einer Welt wo Eltern sich nicht mit ihren Kindern auseinandersetzen wollen und die kleinen schon als Baby vor den Fernseher gesetzt werden, um sie ruhig zu stellen. Später kommt dann halt noch die Playstation, das Handy und das Tablet dazu und all dies erfolgt noch bevor das Kind in den Kindergarten kommt.
  • In einer Welt in der wir unsere Nachbarn nicht mehr kennen und wegsehen falls wir von häuslicher Gewalt etwas mitbekommen.
  • In einer Welt in der Liebe und das Ankommen bei einer Person nicht mehr zählt. Wo man das Wort Zusammenhalt bereits fast ganz aus dem gesellschaftlichen Umgang verbannt hat und viele nur auf der Suche nach dem nächst besseren Abenteuer sind.
  • In einer Welt in der wir die Ressourcen unserer Umwelt zerstören, die Meere voller Plastikmüll sind und wir Raubbau an der Erde betreiben. 
  • In einer Welt wo die junge Generation fast nicht mehr weiß was Shake Hand bedeutet und versprechen oftmals nicht eingehalten werden.
  • Einer Welt in der es überwiegend Singlehaushalte gibt und die Worte, allein allein die traurige Wahrheit sind und wir uns selbst am nächsten stehen, da wir selten Kompromisse eingehen wollen.
  • Einer Welt wo die Worte BITTE und DANKE im Wortschatz fast nicht existieren und auch sonstige Umgangsformen wie das Grüßen bereits Fremd geworden sind.
  • In einer Welt wo selbst Freundschaften die länger als 10 oder 20 Jahre dauern, nur selten vorkommen.
  • In einer Welt in der die Worte Terror, Promi, Apple, Gucci, Single, 90 - 60 - 90 öfter fallen als Liebe, Dankbarkeit, Hilfsbereitschaft, Offenherzigkeit, Zusammenhalt und vieles mehr.
  • In einer Welt wo in den Zeitungen 80% negatives zu lesen ist, weil wir so sensationsgeil sind und lieber darüber lesen wer wen umgebracht, misshandelt oder vergewaltigt hat.
  • In einer Welt wo jeder nur ganz wenigen Menschen traut und nur selten sein Poker Face fallen lässt.
  • In einer Welt die politisch in vielerlei Hinsicht gespalten ist und viele nicht mehr wissen, ob sie nun helfen oder Flüchtlingen gegenüber misstrauisch sein soll.
  • In einer Welt in der wir die Worte offen und tolerant in Verbindung mit anderen Ländern, Kulturen oder Menschen zwar verwenden, doch meist keinesfalls tolerant handeln.
  • In einer Welt in der man die Bedeutung hinter den Festtagen Weihnachten, Ostern, Geburtstag  als auch anderen Feiertagen nicht mehr kennt und materieller Konsum mehr denn je im Vordergrund steht.
  • In einer Welt wo Familie nicht immer Familie ist und man selbst von Zuhause keinen Zusammenhalt oder Rückhalt kennt.
  • In einer Welt in der man nur als Schwarz- Weiß-  Denker willkommen ist und als Bunter Vogel eher Gesellschaftlich belächelt und ausgegrenzt wird.
  • In einer Welt in der man Minihunde züchtet damit sie in eine Teetasse passen, ohne zu bedenken dass diese Tiere bereits krank zur Welt kommen.
  • In einer Welt in der Kinder nicht in der Natur aufwachsen und bereits im Schulalter übergewichtig sind.
  • In einer Welt in der zehnjährige Mädels bereits geschminkt in die Schule gehen und mit 11 oder 12 eine Essstörung haben.
  • In einer Welt in der das Schönheitsideal so hoch wie noch nie ist und uns die Medienwelt vorhält wir müssen mit Mitte fünfzig noch aussehen wie Anfang dreißig.
  • In einer Welt in der in den reichsten Ländern die Menschen am unzufriedensten und unglücklichsten sind, während die die nur wenig haben ein oftmals glücklicheres Leben führen. 
  • In einer Welt in der es noch immer Länder gibt, die eine Diktatur haben und das Wort Demokratie nicht einmal ausgesprochen werden darf. 

Traurigerweise könnte man hier noch unzählige Dinge mehr anführen. 

 

Meine Generation, also die Kinder die in den 80ern geboren sind, waren wohl die letzten die ihre Kindheit noch als Kinder erlebt haben. Ich weiß dass ich im Garten aufgewachsen bin und Fernsehen, Computer spielen und so weiter etwas für Erwachsene war. Natürlich war früher nicht alles besser, natürlich hatten Eltern wohl genauso viele oder genauso wenig Ängste. Und selbstverständlich müssen wir Menschen uns selbst, unsere Technologien und vieles andere stetig weiterentwickeln. Doch wohin uns all dies in Zukunft führt ist fraglich. Da stellt sich nun unweigerlich die Frage: "Wenn ich so kritisch über das jetzige Weltgeschehen denke, wieso bin ich dann Mutter geworden?" Weil ich mir meine eigene Familie aufbauen möchte, weil ich jemandem das was ich denke, glaube und wofür ich einstehe weitergeben will. Weil ich weiß dass ich meinem Buben trotz aller Widrigkeiten die da draußen auf ihn warten, die schönen Seiten des Lebens und der Welt zeigen kann. Und ich hoffe dass ich meinen Job als Mutter so gut mache, dass mein Kind kein Mitläufer der Gesellschaft wird, sondern ein eigenständiger vielleicht  sogar revolutionärer Denker ist. Des Weiteren kann ich nur hoffen, dass das Glück als auch ein Schutzengel immer an der Seite meines Kindes weilt und es vor schlimmen Gefahren verschont wird. 

Ich bin froh und dankbar, dass ich keinen Weltkrieg miterlebt habe und ich hoffe sehr, dass mein Kind ebenfalls niemals einen Krieg miterleben muss.

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