Abtreibung / ungewollt schwanger / Tabuthema Abtreibung
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15. November 2015

 

Tabuthema Abtreibung

Vorweg möchte ich sagen, dass ich 15 Frauen im Alter von 17 bis 39 Jahren zu ihrer ungewollten Schwangerschaft befragt habe. In diesem Artikel halte ich deshalb die eruierten Gefühle von anderen Frauen als auch meine eigenen fest und bin auf Grund dessen zu folgendem Ergebnis gelangt. 

Es gibt wohl nur wenige Themen, die man selbst in guten Freundschaften nicht besprechen kann. Doch das Thema Abtreibung ist eines dieser sehr heiklen. So verschweigen viele Frauen/Mädchen ihre Situation. Entweder, weil sie viel zu jung sind und sich vor der Reaktion ihrer Eltern fürchten. Oder sie sind alt genug, wissen aber wie sehr sich diese oder jene Freundin ein Kind wünscht und dann möchten sie diese Person nicht mit der Nachricht verletzten, dass der große Wunsch dieser Freundin, nun einem selbst zuteil wird. Vielleicht teilt man sich seiner engsten Freundin auch nicht mit, weil man im Zuge der Freundschaft festgestellt hat, dass sie eine Abtreibung nicht gutheißen würde. Und so schweigen viele Frauen aus Angst vor der Verurteilung, die ihnen widerfahren könnte. Sollte für das Schweigen keiner der erwähnten Gründe in Frage kommen, kann es auch sein, dass wir diese Situation für uns behalten, weil wir befürchten dass uns unser Gegenüber beeinflusst. Oftmals vertrauen wir uns aus diesem Grund, auch nicht sofort unserem Partner an. Und wenn das Kind einer Affaire entstammt, schweigen wir meistens aus Scham. So stehen viele Frauen/Teenager mit dieser psychisch sehr belastenden Situation alleine da und treten den Weg in die Klink oftmals ohne Unterstützung an. Ich empfinde größten Respekt für alle Frauen, die in solch einer Situation waren (ganz gleich ob du mit oder ohne Unterstützung, den Weg in die Abtreibungsklinik angetreten hast) und sich für diesen emotional schwierigen Schritt entschieden haben! 

 

Abtreibung JA oder NEIN?

Wenn man finanziell abgesichert ist, dann ist es meistens aus beruflichen Gründen nicht der richtige Zeitpunkt, um eine Kind zu bekommen. Und wenn man die Zeit hat, dann hat man oft nicht die finanziellen Mittel. Oder es kommt einfach alles zusammen und man hat weder die finanziellen Mittel, noch den richtigen Partner, auch ist es der falsche Zeitpunkt und last but not least ist man vielleicht viel zu jung. Ganz gleich welche Gründe vorliegen, es ist verständlich dass es dir  nicht gut geht und du verzweifelt bist. Aber du bist stärker als du denkst und wirst ganz sicher über dich hinauswachsen und die beste Entscheidung für die Zukunft deines Kindes und dich treffen!

 

Wie geht man nun am besten vor, wenn eine ungewollte Schwangerschaft vorliegt? Besser gesagt, wie findest du heraus, wie du dich entscheiden sollst? 

Auch wenn du niemanden zum Reden hast, bist du trotzdem nicht alleine! Ich würde dir raten zum Psychologen zu gehen. Falls du dir die Kosten nicht leisten kannst, findest Du hier Hilfe (Nottelefon für schwangere in Deutschland/Schweiz). Diese Unterstützung kann dir helfen, den ersten Schock zu verdauen, um wieder etwas klarer zu denken. Jedoch werden dir weder Psychologen noch Personen am Hilfstelefon, die Entscheidung abnehmen. Aber oft hilft es, wenn man seine Sorgen mit jemandem teilt und im Gespräch stellst du vielleicht fest was du willst. Aber meistens reicht ein Gespräch nicht aus und schlussendlich kommst du nicht drum herum, dich selbst damit auseinander zu setzen. Und ich möchte dir nichts vormachen. Bei der Entscheidungsfindung wirst du vermutlich nochmals mit all deinen  Gefühlen, wie Angst oder Verzweiflung, konfrontiert. Jedoch bin ich mir sicher, dass du diese in den Griff bekommst, wenn du in dich hinein hörst. Und wenn du die Situation abgewogen und eine Entscheidung dafür oder dagegen getroffen hast, wirst du spüren dass du einiges an emotionaler Stärke gewonnen hast! 

 

Einige Kinder entstammen heutzutage keiner gewollten Schwangerschaft und werden trotzdem sehr von den Eltern, Großeltern sowie Verwandten geliebt. Ein paar der befragten Frauen haben erzählt, dass sie sich unter anderem auf Grund der Vorwürfe vom Partner geschämt haben in dieser Situation zu sein und wieder andere erzählten von einem Schamgefühl, weil sie sich für die Abtreibung entschieden haben. Fakt ist du musst dich nicht schämen! Ich würde deshalb abwägen, ob der Vater deines Babies, deine Eltern und deine beste Freundin nicht doch eingeweiht werden sollten. Vielleicht würde dich einer dieser Personen doch unterstützen und du weißt es gar nicht. Wenn du jedoch Angst hast dass die Reaktion dieser Person dich noch mehr verwirrt, dann versuch zuerst selbst herauszufinden was du möchtest. 

 

Auch bei mir lagen einige Gründe vor, weshalb ich wirklich große Zweifel hatte, ob ich das Kind bekommen soll und deshalb habe ich mir die Frage gestellt "Soll ich das Kind abtreiben?" Also hab ich mir eine Liste mit Punkten, die dafür und dagegen sprechen, gemacht. Das Ergebnis war jedoch genau das was ich vorher schon gewusst habe --> Nämlich, in der momentanen Situation macht es einfach keinen Sinn ein Kind zu bekommen! Doch dann hab ich mich an eines meiner Bücher erinnert, in dem es um Entscheidungsfindung geht. Also hab ich wieder bei Null begonnen und zwar mit folgenden Fragen:

 

Frage

  • Was empfinde ich, wenn ich daran denke dass ich mein Kind stillen  würde? 
  • Was empfinde ich, wenn ich mir vorstelle dass ich plötzlich für MEIN Kind verantwortlich bin?
  • Was empfinde ich, bei dem Gedanken dass sich mein Alltag verändert?
  • Was empfinde ich, wenn ich daran denke dass ich MEIN Kind wickel, bade, fütter oder kuschel?
  • Was empfinde ich, wenn ich unter Umständen alleine für mein Kind verantwortlich bin?
  • Was empfinde ich, wenn ich für mein Kind auf ein paar Dinge verzichten muss?

Deine Antwort


Antwortmöglichkeiten:

1. Ich fühle mich bei dem Gedanken wohl.

2. Ich fühle mich bei dem Gedanken nicht unwohl.

3. Ich habe weder positive noch negative Emotionen, wenn ich daran denke.

4. Ich kann mir das nicht vorstellen.

5. Diese Vorstellung macht mir Angst und erzeugt ein unangenehmes Gefühl in mir. 

 

Hätte ich rational entschieden, dann hätte ich den Termin in der Abtreibungsklinik wahrgenommen. Doch als ich diese Fragen für mich beantwortet habe, habe ich festgestellt,  dass es jede Menge emotionaler Gründe für diese Schwangerschaft gibt. Und schlussendlich habe ich mich, trotz all der Gründe die dagegen gesprochen haben, dafür entschieden. 

 

Wichtig ist dass du in dem Moment wo du dich entscheidest, vollkommen hinter dieser Entscheidung stehst und dann ist es 100% die Richtige. Ganz gleich wie du dich entscheidest, in beiden Fällen kann es später vorkommen dass negative Gefühle sowie Zweifel, hochkommen und dies ist vollkommen normal. Vielleicht passiert es, wenn du schlaflose Nächte, mit schmerzenden Brüsten, hinter dir hast oder es überfordert dich wenn du das Kind einer Freundin im Arm hältst. Sollten solche Zweifel in dir hochkommen, dann erinnere dich an deine damaligen Gefühle die du hattest, als du dich dafür oder dagegen entschieden hast und du wirst spüren dass deine Entscheidung genau richtig war! 

 

"Ich möchte festhalten, dass ich hier meine subjektive Meinung dazu geäußert habe, wie ich mit meiner/dieser Situation umgegangen bin. Das heißt jedoch nicht dass meine Vorgehensweise auch für dich die Richtige ist! Deshalb übernehme ich keine Haftung für die Entscheidung von meinen Leserinnen." 

 

P.S: Wenn mein Kind da ist, werde ich sofort das Verhütungsmittel wechseln, damit ich nie mehr in solch einer emotionalen Zwickmühle feststecke.

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