Ein Jahr Mama

07. Mai 2017

 

 Ein Jahr al(le)s MAMA 

Ach ich habe es gehasst in der Schwangerschaft von allen die gleiche Leia zu hören. "Du wirst schon sehen, wenn er da ist dann rennt die Zeit doppelt so schnell! Du glaubst es nicht, aber alles WIRKLICH ALLES wird sich verändern! Schlaf um dein Leben, solange du noch kannst!" Und viele weitere dieser Standardsaga, die jede zukünftige Mama kennt fliegen einem zu, wenn man zum ersten Mal schwanger ist. Während man also vollgequatscht wird, lächelt man höflich und innerlich verdreht man die Augen und denkt sich jajaja, bei mir wird alles anders.

 

Denkste, wisst ihr wer nun die nervigsten Sätze auf Lager hat? Jep, genau ich. Und das schlimme ist, es sprudelt nur so aus einem heraus und imaginär muss ich mir in solchen Momenten selbst gegen das Schienbein treten, damit ich aufhöre, bevor bei meinem gegenüber die Schweißperlen auf der Stirne auftreten. 

 

Aber nun zum Wesentlichen, nämlich MEINEM ERSTEN JAHR ALS MAMA.....

Vorweg, es ist natürlich wie von allen weisgesagt, kein Stein auf dem anderen geblieben. Wie ich dies meine? Wenn ich eine CD über dieses erste Jahr veröffentlichen würde, dann würden sich auf dieser Songs mit fast allen Emotionen befinden.

Songs über:

  • ungeahnte Liebesgefühle und dem Gefühl von Geborgenheit,
  • das Glücklich sein, bis hin zur Verzweiflung,
  • puren Stolz auf meinen Sohn und auf mich selbst,
  • den inneren Kampf alles richtig zu machen,
  • die unglaubliche Selbstlosigkeit, die man vorher nicht im Ansatz für möglich gehalten hat,
  • das Leben, indem plötzlich ganz andere Dinge Stellenwert besitzen,
  • die Äquivalenz  - vom einsam sein und der Tatsache, dass man irgendwie nie allein ist....

Tja, ich könnte diese Auflistung noch unzählig weiterführen. Denn an jedem Tag, in jeder Minute und jeder Sekunde, würde ich genügend Inspirationen finden, um einen gefühlsbetonten Song zu schreiben. Nein, ich übertreibe hier nicht! Denn sooooo vieles passiert an jedem Tag und all dies was bisher war, hat mich verändert.  Wie, es mich verändert hat? Die Person die ich vor meiner Mutterschaft war, erscheint mir fremd. Die Person die ich immer sein wollte, will ich nicht mehr sein und die die ich jetzt bin, die lernt sich selbst neu kennen. Doch was ich jetzt mit Sicherheit weiß ist, dass ich mich angekommener und viel mehr selbst bei mir Zuhause fühle. 

 

Doch wie war es jetzt, mein erstes Jahr als alleinerziehende Mama?

Die ersten beiden Monate war ich im "und täglich grüßt das Murmeltiermodus". Ich hatte also das Gefühl, dass jeder Tag nur aus vier Aktivitäten bestanden hat - stillen, wickeln, kuscheln, schlafen -repeat. Natürlich haben mein kleiner und ich ganz normal den Alltag mit allem drum und dran gemeistert und selbstverständlich haben wir auch einiges unternommen. Wir waren spazieren, erledigten Einkäufe, machten Besuche oder wurden besucht. Doch trotzdem kann ich mich nur an schlafen, stillen, wickeln und kuscheln erinnern. Irgendwann, so Anfang des dritten Monats hatte ich ihn dann aber endlich, "meinen Mamagroove" und der Murmeltiermodus der sich in meinem Kopf festgesetzt hatte war deaktiviert. Erst dann konnte ich mein neugewonnenes Mamaglück und die Karenz so richtig genießen. Ach ja, Wochenbettdepression oder sonst was hatte ich - zum Glück - keine. Ich bin vom Spital nach Hause gekommen und war alleine mit meinem kleinen Buben. Da blieb keine Zeit, um schwach zu sein und unterbewusst wusste ich, ich muss funktionieren. Also hab ich es vom ersten Tag an und war energiegeladen wie ein Duracelhase. (Darüber bin ich sehr froh und dankbar!) Tja, so um das sechste Monat herum veränderte sich mein Energielevel etwas und es machte sich der Schlafentzug jedes Monat ein bisschen mehr bemerkbar. Jetzt nach mehr als einem Jahr, ohne Schlaf (das längste waren einmalig 4 Stunden am Stück), merke ich jedoch erst so richtig was mir die letzten Monate psychisch und physisch abverlangt haben. Und deshalb blicke ich wehmütig und doch sehr erleichtert (wegen der neu gewonnenen Selbstständigkeit meines Sohnes) auf dieses ereignisreiche, schöne, anstrengende und liebende Jahr als Mama zurück.

 

Vom Durchschlafen sind wir noch Meilen weit entfernt - Leon wird alle 90 Minuten munter, wenn ich Glück habe schläft er 120 Minuten und ich habe mich innerlich schon drauf eingestellt, dass er erst mit drei Jahren durchschläft. Wenn mich die Leute fragen (Geburtstag oder sonstiger Anlass): Was wünscht du dir? Ist meine Antwort sehr simple - Ich möchte sooooooo gerne einen Tag im Bett verbringen und nichts tun. Einfach schlafen, Zeit totschlagen (lesen, fernsehen) und in ruhe essen.  So, nun komme zu einem für mich wesentlichen Aspekt. Nämlich der Frage, die mir von zukünftigen alleinerziehenden Mamas immer gestellt wird: "Schafft man das alles alleine?" JA! Ich habe für mich festgestellt, dass ich geistig und körperlich viel stärker bin als ich dachte. Denn immer wenn ich denke, nun komme ich an meine Grenzen, stelle ich danach fest, dass die Grenze nur in meinem Kopf besteht und ich aus Liebe zu meinem Sohn alles Meister. Klingt natürlich jetzt sehr Theoretisch und total easy, doch das war es mit Sicherheit nicht und wird es wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren nicht sein.

Ich kann jedoch nun sagen, für mich ist das Mama sein mit einem Überlebenstraining vergleichbar. Mit jedem Schritt wird man sicherer und jede neue (Alltags)situation lässt einen, über sich selbst hinaus wachsen. Und immer dann, wenn es hart auf hart kommt und man kurz davor ist, dass man seine persönliche Grenze erreicht, spielen Körper und Geist besonders gut zusammen und setzten neue Energien frei. Doch abgesehen von meinen eigenen ungeahnten Kräften, haben ein paar Menschen und deren Unterstützung eine ganz wesentliche Rolle gespielt, um nicht ganz aus dem Gleichgewicht zu kommen und zu stürzen. Und so habe ich die Monate step by step zurückgelegt und überlebt (Es gibt da diesen Spruch - Was du bist eine gute Mama und lebst noch. Es hat wohl etwas mit der Selbstlosigkeit zu tun die man im Laufe der Zeit, als Mutter bekommt.) Ohne diese rettenden Engel, geht es meiner Meinung nach nicht. Und trotz dieser tollen Menschen, fühle ich mich in vielen Momenten unbeschreiblich einsam. Genauer betrachtet ist diese Einsamkeit auch etwas paradoxes, denn gleichzeitig fühle ich mich durch meinen Sohn sehr geliebt, unbeschreiblich wertvoll und bin gerade wegen ihm eigentlich nie allein. Es ist somit eine Situation (alleinerziehende Mama zu sein) und ein Gefühl, das ich schwer erklären kann. Kurz auf den Punkt gebracht, von unfassbarer Liebe und Himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt war in den vergangenen Monaten alles dabei, doch gerade wegen dieser Vielfalt die mein neues Leben mit sich bringt, liebe ich es! Unter uns gesagt, gibt es aber auch Tage, wo ich alle Leute aus meinem Umfeld hasse die in ihrer Freizeit tun können wonach ihnen ist, allen voran weil sie schlafen können wann immer sie wollen.

 

Was ich mir für das nächste Jahr als Mama vorgenommen habe?

Dass ich mich bemühe, alles etwas bewusster Wahrzunehmen. Denn die Zeit rinnt einem tatsächlich nur so durch die Finger und so manchen Moment kann ich leider erst Rückblickend genießen. Somit lautet mein persönliches Motto für die kommende Zeit: "Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich liebe, dann liebe ich. usw." Last but not least - möchte ich mir mindestens einmal im Monat, wenigstens für ein paar Stunden, Zeit für mich nehmen. 

 

P.S: Anbei der Song der mich durch dieses erste Jahr als Mutter begleitet hat. 

"Hourglass"

Little boy, when you speak
I can’t help but kiss your cheeks
I love the way you grab my hands
And tell me all about your plans

Rocket high, comets fly
You and I could hitch a ride
And fly away to Neverland
And give our best to Peter Pan

When you reach for the stars
Don’t forget who you are
And please don’t turn around and grow up way too fast
See the sand in my grasp
From the first to the last
Every grain becomes a memory of the past
Oh, life’s an hourglass
Life’s an hourglass

Story’s read, prayer is said
Close your eyes sleepyhead
While angels linger in your dreams
And hold you in their feathered wings
Just like you, I was small
Not that long ago at all
I wish you all the happiness
That God gives freely if you ask

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