02. Juni 2016

 

"Mein Sohn ist das Beste was mir je passiert ist!"

Irgendwann im Laufe meines Lebens habe ich den Fokus für das wesentliche verloren und ohne es zu bemerken war ich von mir selbst getrieben. Alles musste größer, schöner und besser sein. Vom Wohnungsstandard, bis hin zu meinem Aussehen und schlussendlich bis zu dem Punkt, wohin sich meine Firma entwickeln soll. Es musste und sollte alles perfekt sein, wobei ich die genaue Definition von perfekt gar nicht kannte. Eine Beziehung oder gar eine Familie kamen in dieser Definition jedenfalls nicht vor. Als Frau war und bin ich in den letzten Jahren immer mehr zu einem selbstsüchtigen als auch prestigeträchtigem Weibsbild mutiert, das ihr Herz immer an die falschen verschenkte. Doch die meiste Zeit war ich eigentlich so mit mir selbst beschäftigt, dass sowieso kein Platz für jemanden anderen verfügbar war. Und so endeten viele meiner Tag auf irgendeinem Event. Wo ich wie immer das ein und andere oberflächliche Businessgespräch führte. Am Ende von so manchem Tag kam ich irgendwann in der Nacht nach Hause und am nächsten Tag folgte der übliche Alltagstrott. Trotz alledem wurde mein innerlicher Ruf nach Liebe und Geborgenheit, von Jahr zu Jahr ganz strickt ignoriert und ich wurde immer abgestumpfter in meiner Persönlichkeit. Um mir dies aber ja nicht eingestehen zu müssen, redete ich mir natürlich ein wie glücklich ich nicht bin. Rückwirkend betrachtet war ich mehr als einsam und jetzt belächle ich nur mehr das oberflächliche Leben das ich geführt habe. Übrigens beim Schreiben dieser Zeilen denke ich mir gerade wie armselig mein Leben doch war.

 

Im August 2015 veränderte sich von einem Tag auf den anderen alles, um 360 Grad wurden  meine Prioritäten durch die Schwangerschaft verschoben und ich fand mich wieder in einer ganz ganz neuen Welt. Ehrlich gesagt musste ich mich aber erst in dieser neuen Welt zurecht finden, denn plötzlich klingelte mein Telefon nicht mehr so oft, ich war um 20 Uhr im Bett, trug nicht mehr Kleidergröße 34 und vieles mehr. Ich orientierte mich um, denn schließlich wusste ich dass ich mein Kind behalten will. Aber es dauerte schon etwas bis ich mich mit meinem neuen Leben und dieser unerwarteten Schwangerschaft arrangiert hatte, besser gesagt bis ich mich wohlfühlte. Aber siehe da irgendwann kamen viele längst vergessenen wichtigen Werte und Gefühle wieder zurück. Und so ab dem 6 Monat mochte mich in meinem neuen ICH täglich immer mehr. Ab dem 8 Monat fühlte ich mich pudelwohl und hatte sogar endlich das Gefühl welches ich seit Jahren vermisste. Nämlich das Wissen, dass ich am richtigen Lebensweg angekommen bin. Wieso ich dies wusste? Weil ich mich das erste Mal nicht getrieben fühlte, sondern ganz einfach bei mir selbst, im hier und jetzt war. 

 

"Mich hat mein Sohn gerettet!". Was ich damit sagen will, ich habe meinen zwischenmenschlichen Teil so tiefen in mir vergraben, dass ich diesen einfach vergessen habe. Denn irgendwie war ich in meiner damaligen kleinen Welt gefangen --> einer Welt wo Prestige, Aussehen und die oberflächliche Meinung anderer mehr zählte, wo Erfolg, Likes und das dazuzugehören zu einer gewissen Gesellschaftsschicht am wichtigsten war. 

 

Angekommen in meiner schönen, neuen, liebevollen kleinen Welt in der ich mich selbst wieder neu kennenlernte und auch den verborgenen Teil der schon längst zurückgelassenen Carina wieder fand, hab ich begonnen unzählige Frauenzeitschriften, Magazine und Onlineartikel zu lesen. Was mich jedoch sehr irritierte war, dass der Großteil der Artikel die mir in die Hände vielen negativ dem Muttersein gegenüber stand. Überschriften wie : Babyblues, Frau und Karriere klappt nicht, Mütter bereuen ihre Mutterschaft, Harter Alltag als Mutter und unzähliges mehr bekam ich zu lesen. Natürlich fand ich die Offenheit von so mancher Mutter die zugab, dass das Muttersein kein Zuckerschlecken ist erfrischend. Doch im großen und ganzen hatte ich nach diesen 9 Schwangerschaftsmonaten den Eindruck gewonnen, dass das Muttersein einem von der Gesellschaft ausgeredet wird. 

 

Ich habe mir deshalb die Frage gestellt, wieso keiner über die Mütter berichtet die auf Grund ihrer besonderen vielleicht sogar aussichtslosen Lage erst recht zu kämpfen begonnen haben? Wieso ließt man keine Artikel über Frauen die gerade auf Grund ihrer Mutterschaft über sich hinausgewachsen sind? Von diesen außergewöhnlichen Geschichten gibt es sicher unzählige, doch kein einziger positiver Artikel ist mir unter die Augen gekommen. Als schwangere fand ich  dies total verstörend und die Hauptfrage hinter all dem war für mich. Ist das Muttersein aus der Mode gekommen, weil es zu beschwerlich, stressig und zu wenig Gesellschaftsfreundlich ist?

 

Und jetzt hab ich für mich die Antwort auf diese Frage gefunden. Gesellschaftsfreundlich ist Mutter sein tatsächlich nicht und es gibt nicht umsonst den Spruch "Bekomme ein Kind und du wirst sehen wer deine wahren Freunde sind." Beschwerlich und stressig ist es als Mutter natürlich auch. Doch eines weiß ich nun mit Sicherheit, es gibt so einige Frauen die ihre Ziele plötzlich noch höher gesteckt haben. Die ihr eigenes Potential erst auf Grund ihrer Mutterrolle entdeckt haben und die wegen ihrer neuen Verantwortung erst Recht nach dem Motto "Koste es was es wolle" Wagnisse eingehen. Bekannte Beispiele sind unter anderem Joy Mangano (dessen Leben als Film mit dem Titel Joy verfilmt wurde) oder Joanne K. Rowling die die bekannten Harry Potter Bücher geschrieben hat und auch eine Londoner Unternehmerin (Name vergessen) die sich mit einem speziellen Ordnungsschrank Unternehmen selbstständig gemacht hat und nun ebenfalls wie die beiden anderen Millionen verdient. Aber es gibt sicher noch unzählige andere Erfolgsgeschichten von Müttern die erst als sie Kind/er hatten nach den Sternen gegriffen haben. Denn erst die Notlage als Mutter Verantwortung zu tragen, hat diese Frauen beflügelt. Jetzt wo ich selbst Mutter bin weiß ich, dass ich auch diese Gefühle verspüre die wohl diese Frauen verspürt haben. Wie ich mich fühle? Unbesiegbar, stark und kämpferisch. Denn schließlich muss ich nicht mehr nur für mich funktionieren, sondern mehr noch, ich muss und will großartiges für mein Kind leisten. Dieses imaginäre Messer im Rücken ist definitiv ab und zu beängstigend, oder an manchen Tagen vielleicht auch eine große Bürde, denn man macht sich dadurch selbst einen enormen Druck. Doch gleichzeitig ist es aber auch so hilfreich, weil ich plötzlich ungeahnte Kräfte entwickelt habe und mir Dinge zutraue die ich vorher vielleicht nicht einmal in Betracht gezogen hätte.

 

Gemessen am gesamten Leben, welches vor meinem Sohn liegt, habe ich gerade mal einen Wimpernschlag mit ihm an Zeit verbracht und doch wachse ich, wegen als auch für ihn, täglich über mich hinaus. Meine Ziele sind jetzt noch höher als vorher, weil ich es nun erst recht Wissen will. Doch diesmal mit dem einen Unterschied --> mein Sohn und die Zeit mit ihm ist das Wichtigste. Deshalb lege ich so manche Nachtschicht ein und fast jeder Tag wird ganz strickt geplant, um alles unter einen Hut zu bekommen. Und wenn man mich fragt, ob es nicht stressig ist und man selbst nicht viel zu kurz kommt, dann antworte ich "Ja, natürlich. ABER positiv erfüllt ist meine Leben erst seitdem es meinen Leon- Maurice gibt." Natürlich werde auch ich mit Sicherheit Tage als alleinerziehende Mutter erleben an denen ich an meine Grenzen komme, an denen ich mal verzweifelt, traurig, müde oder erschöpft vom Alltag bin. Doch im Moment weiß ich, dass ich mir mein altes Leben für keinen einzigen Tag mehr zurückwünsche. Denn die Liebe die ich nun erfahre, die besonderen Gefühle die ich verspüre und meine neugewonnene Lebensfreude an den Kleinigkeiten des Lebens, möchte ich keinen einzigen Tag mehr missen! 

 

Was ich für mich bis jetzt am Muttersein mitnehme:

  • ungeahnte, unbeschreibliche und unfassbare Gefühle der unendlichen Liebe
  • Leon- Maurice ist das Beste was mir je passiert ist!
  • ich genieße und liebe es als Hüterin als auch Beschützerin meine Hände über mein Kind zu halten und so wichtig wie in der Mutterrolle hab ich mich noch in keinem meiner Jobs gefühlt
  • neugewonnene Stärke sowie unbeschreiblichen Mut auf die Zukunft zuzugehen
  • geht nicht gibt es fast nicht
  • Kind und Job ist mit ein bisschen Planung auch als Alleinerziehende möglich 
  • jetzt will es meinem kleinen, mir und der ganzen Welt erst recht zeigen was in mir steckt
  • man stellt in so vielen Dingen als Mutter Rekorde auf --> im schnell essen, schnell duschen, kurz telefonieren, wenig schlafen, schnell aufs Klo gehen usw. Deshalb bin ich der Meinung, dass jede liebevolle und aufopfernde Mutter einen Stern am Walk of Fame verdient

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Sabina (Mittwoch, 14 September 2016 13:17)

    Liebe Carina!
    Vielen Dank für deinen Beitrag! Ich wurde relativ jung Mutter, meine Kinder sind nun schon 11 und 8 Jahre alt, und vieles ist leichter geworden. Meine Ambitionen und Kampfgeist habe ich erst durch meine Kinder richtig entdeckt und dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Obwohl ich nun nicht mehr Gr. 36 trage, empfinde ich meinen Körper als schöner bzw. ich weiß ihn mehr zu schätzen. Und sexier fühle ich mich übrigens auch als noch vor zehn Jahren. Heuer fange ich mit meinem berufsbegleitendem Studium an und habe ansonsten auch noch viele Pläne. Dir und deinem Sohn wünsche ich alles das Allerbeste!

    P.s. Frauen machen sich oft gegenseitig das Leben schwer, für mich habe ich beschlossen, da definitiv nicht mitzumachen.

    Lg Sabina